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Hochtourenkurs auf der Oberwalder Hütte

Hoch motiviert und schwer beladen sind wir zu elft am Samstagnachmittag zur Oberwälder Hütte aufgestiegen. Lager belegen, essen und Besprechung, ab ins Bett.

Sonntag wurde es ernst: Sichern mit T-Anker, Spaltenbergung und Selbstrettung.
Erst wurden Pickel vergraben und wieder ausgebuddelt. Die Techniken variierten von Maulwurf-Technik: da spritzte der Schnee in alle Richtung und Wurm-Technik: langsam und etwas kraftlos. Dann wurde gerettet was das Zeug hielt. In wechselnden Positionen, mit Regen- und Graupelschauern, dem "Opfer" wurden beflissen kalte oder warme Getränke (natürlich nicht vorhanden) angeboten-die Ausbilder legten großen Wert auf erbauliche Kommunikation. Alle wurden gerettet!
Am Abend dann der übliche Kampf um den Essens-Nachschlag, der uns die ganze Woche verfolgen sollte. Nach dem Motto: darf ich bitte bitte zwei statt nur einer Kartoffel haben??!!

Am nächsten Tag war Schluss mit lustig. Es wurde der Ernstfall geübt. Dieter und Frank haben uns in 3 Seilschaften aufgeteilt und uns aufs Gelände losgelassen. Es ging zum Schneewinkel-Kopf, Nord-Ost-Wand. Ziel war klar: nach oben.
Wir teilten uns auf und pickelten los. Dieter und Frank turnten gekonnt zwischen uns herum, um jederzeit größere Peinlichkeiten zu verhindern. Aber es waren lauter Naturtalente am Start, keine größeren Probleme. Marie und ich hatten Glück. Leonhard führte unsere ansonsten recht unbedarfte Seilschaft an. Was soll ich sagen? Gekonnt, umsichtig und sooo freundlich. Wir haben die Gelegenheit gleich genutzt und ihn für die Eiger-Nordwand gebucht. "Junger, dynamischer Bergsteiger führt hundert-jährige Seilschaft auf Berg!!"
Gelernt haben wir Eisschrauben eindrehen, Standplatz bauen und wieder abbauen, beladen wie die Pfingstochsen hinterher zu klettern. Die wichtigste Lektion war allerdings: der Trend geht zum Zweit-Paar-Handschuh. Bei den warmen Temperaturen waren die Handschuhe innerhalb kürzester Zeit klatschnass. Wechselmaterial war angesagt. Marie hat ihre Handschuhe nicht umweltgerecht entsorgt und sie in einer Spalte versenkt.Tja, alles was nicht angebunden ist, findet seinen Weg in die Tiefe.
Runter vom Berg gings äußerst zackig, Gewitter kündigten sich an.
In der Nacht, nach dem üblichen Kampf gegens Verhungern, dann der eigentliche Auftrag von Dieter und Frank: Kampf-Schnarchen!!!! Man ist ja vieles gewöhnt, aber das war einmalig! Abwechselnd, sich crescendo-ähnlich steigernd haben die beiden losgesägt. Zeitweise haben wir uns überlegt, mit Hilfe einer Eisschraube durch die Matratze für Ruhe zu sorgen. Dieter hatte wenigstens den Anstand, am nächsten Morgen schlecht auszusehen, was man von Frank nicht behaupten konnte.

Der nächste Tag hieß: Russland hat unaussprechliche Namen und Hänsel und Gretel leben! Im Hufeisen-Bruch haben wir Abseilstellen mit Abra-blabla-Einfädler (korrekt Abalakov) eingerichtet. Dann war Märchenstunde angesagt. Die üblichen drei Seilschaften und dann seht zu, wie ihr heimkommt... Eisschrauben, Tibloc und den Weg durch den Gletscherbruch suchen. Wuseliges hin und her, tanzten wir elfengleich durch die Spalten. Fast am Ziel schlich sich Frank von hinten an meine Seilschaft, um mir mit vordergründig freundlichen Lächeln einen anderen Weg vorzuschlagen. Ein weniger stabiles Gretel wäre daran verzweifelt. Aber ich habe alle Hänsels sicher heimgeführt!! Gewonnen hat die Märchen-Rallye Sofia, die zielstrebig und schnell den besten Weg gefunden hat. Woher hat sie nur dieses Talent?
Auf der Hütte das gewohnte Mikado-Spiel; alles Material auf den Tisch und jeder darf zugreifen.Mittlerweile wurde auch die Essensausgabe sportlich genommen und die Technik, so viel wie möglich zu ergattern wurde immer ausgefeilter. Selbst die arme Leandra wurde dazu verdonnert, sich als gefräßige Vegetarierin zu outen.

Dann kam der Mittwoch: Johannisberg Nord-Ost-Wand.
Übliche Prozedur: Gänsemarsch übern Gletscher bis zum Wandfuß, aufteilen und loslegen. Diesmal wollte ich motiviert die Führung übernehmen. Also marschierte ich los. Gebremst von wirklich hässlichen Spalten habe ich mich an den Seilschafts-Zweiten (meinen zukünftigen Eiger-Führer) gewandt: Halten die Brücken?? Bekam ich doch tatsächlich die unbefriedigende Antwort:" Woher soll ich das wissen? Probiers aus!!" Jetzt war mir klar: hier liegt eine Fehlbuchung vor. Wo war mein Kurs " kuschelig und erholsam zum Erfolg" ??
Ich stürmte in sportlicher Vollendung die Wand empor, als Dieter mit hochrotem Kopf neben mir auftauchte. Allerdings nicht, um mich zu meiner Leistung zu beglückwünschen, sondern um mir schnaufend zu erklären, falls ich nicht binnen 3Sekunden lernen würde bis 3 zu zählen, er mich meines Amtes entheben würde!!!  Upps, wie war das mit den 3 Haltepunkten im Eis? 
Ok, Fuß-Fuß-Pickel, Pickel-Pickel-Fuß...hab ich drei. .?  Den felsig-bröseligen Ausstieg haben Dieter und Frank dann mit Fix-Seil gesichert.
Im Laufe der Abende wurde schnell klar, dass hier nicht nur sportliche Inhalte zum Tragen kamen. Nein, auch kulturelle, soziale und allgemeinbildende Aspekte wurden vermittelt. Peter hat die Wichtigkeit einer guten Mutter-Sohn-Bindung veranschaulicht. " Die Mama (88J.) hat das Sagen!" Gut für alle Frauen, denn so lose Reden: "auch Frauen sind zu geistigen Transfer-Leistung fähig?" wurden gleich im Keim erstickt. Wir petzen es einfach seiner Mutter!
Tobias hat es geschafft, aus einem 4 stündigen Monolog eines Tischnachbarn einen kurzweiligen 5-Satz-Vortrag zu gestalten. Glückwunsch!
Marie bekam Geographie-Unterricht von Klaus. "Na Klaus, wie lebt es sich so als Nürnberger(Franken) in Bayern?" HÄÄÄÄHH!!!???
Von Frank haben wir erfahren, dass NO-Goes in Ibuprofen-Skalen eingeteilt werden: Lange Pickel, Wanderstecken am Gletscher und Regencapes. Kopfschmerzauslösend!
Falls jemand Dieter und Diana eine Freude beim Kurs machen möchte: Sitz-Kreise!
(falls Du nicht mehr weiterweißt, bilde einen Kreis - Anm. der Redaktion) Beide hätten sie diese liebe Gewohnheit schmerzlich vermisst.

Donnerstag Abwechslung, Steine unter den Füßen.  Überschreitung der Hohen Dock und weiterer Hügel.
Ein langer Marsch über Felsen mit schönen Abkletterstellen und einer Schmerz-Prüfung zum Schluss: langer, sehr steiler Schutt. Die Belohnung eine tolle Rundumsicht.

Nachdem sich für Freitag und Samstag eine Kaltfront angekündigt hatte, beschlossen wir, bereits am Freitag abzusteigen.

Fazit der Woche:
Dieter und Frank, zwei Ausbilder mit viel Erfahrung, Können und Fröhlichkeit haben eine große Gruppe an anspruchsvolle Aufgaben herangeführt. Sie haben Vertrauen vermittelt und immer die Ruhe bewahrt. Eine tolle Leistung!

Die Gruppe: eine tolle Mischung. Kein Genörgel, Gezicke, stattdessen jeder konnte mit jedem, jeder hat dem anderen etwas beibringen können und es wurde so unglaublich viel gelacht.
Dieter und Frank haben immer betont, dass eine Seilschaft nur mit einer guten und offenen Kommunikation funktionieren kann!!
Danke an alle dafür!

Teilnehmer:
Dieter: Leiter, nimmt gern mal einen anderen Weg
Frank: Leiter, sollte sich seinen trockenen Humor patentieren lassen
Peter: die Mama sagt: a bisserl gut ausschaun muss man scho, best gestylter Mann in Gruppe
Klaus: je später der Abend umso knautschiger die Mimik, besser als Fernsehen
Tobias, eifrig und immer gut vorbereitet, ein Gewinn für Gruppen und die Frauen-Welt
Diana: was für Augen, tolle Gesprächspartnerin
Marie: als Luxemburgerin hat man`s schwer, immer für Nahrungs-Pausen zu haben
Sofia: noch tollere Augen, umsichtig und schon erfahren
Leandra: der Sonnenschein der Gruppe, immer fröhlich auch wenn die Beine schmerzen
Leonhard, falls jemand für seine Tochter einen ansprechenden Mann sucht, bitte an Dieter wenden
Herrath: das lassen wir lieber an dieser Stelle

verfasst von Herrath

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