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Bergtouren - Val Müstair und Zufallhütte

13.03.2023

13.-17.3.2023 Schneeschuhtouren im Val Müstair (Ofenpassregion) mit Verlängerung bis 20.3. im Martelltal (Schneeschuhhochtouren, Ortlerregion)

Die Tourentage im ruhigen Münstertal am Rande des „Schweizer Nationalparks“, einem der größten und ältesten Schutzgebiete des Alpenraums, waren geprägt von der zunehmend einsetzenden Frühjahrssituation, was die Schneedecke angeht.

Die Südseiten waren weitgehend aper, während nordseitig meist noch mehr Schnee zu finden war. Unsere urige Selbstversorger-Unterkunft in einem Schweizer Gruppenhaus in Tschierv sorgte dafür, dass wir neben dem Winterbergsteigen auch das gemeinsame „Hüttenleben“ ausgiebig geniessen konnten. Dann kamen als Kontrastprogramm die Tourentage auf der Zufallhütte: Gewusel in der vollen Hochtouren-Unterkunft und Scharen von Skibergsteigern (auch aus der Region) auf allen Aufstiegsrouten und Gipfeln.

1. Tag: Anreise und Tellakopf (800 Hm)

Problemlose Anreise mit dem fast vollbesetzten Vereinsbus bis Taufers im Münstertal. Eingehtour für einen ersten Eindruck mit Ortler-Blick. Beim Aufstieg sind wir fast verglüht, doch gab's am Gipfel nur einen kurzen Stopp - stürmischer Wind, der Himmel wolkenverhangen.

Dann Weiterfahrt zu unserer Unterkunft, einem sehr alten Haus im Dorf Tschierv, welches als Gruppenunterkunft eingerichtet war. Zahlreiche Zimmer mit freier Platzwahl ließen keine Wünsche offen, ebenso die funktionale Ausstattung bis hin zum Kaminfeuer, welches im großen Aufenthaltsraum für Gemütlichkeit sorgte.

Abendesssen: Nudeln mit Soße. Ricky war dieses mal unsere Salatfee, die uns Abend für Abend mit köstlich zubereiteten Salaten verwöhnte.

2. Tag: von Lü zur Alp Champatsch (250 Hm)

Am nächsten Morgen überraschenderweise 25 cm Neuschnee vor der Türe. Ausgiebige Übung der Spaltenbergung im Aufenthaltsraum angesichts des weiter anhaltenden dichten Schneefalls. Dann haben wir erstmal unseren Bus freigeschaufelt, um von Lü aus eine kleine Wanderung im tief verschneiten Winterwald zu unternehmen. Auch hier wieder glühender Sonnenschein, bis dann später wieder dicke Schneeflocken um uns tanzten.

Abends dann köstliche Gemüsesuppe von Franziska (+ toller Salat von Ricky)

3. Tag: Munt Buffalora 2.627m (700 Hm)

Start an der Grenze des Schweizer Nationalparks in Buffalora über die Alp Buffalora hinauf zum Gipfel. Bei erheblicher Lawinengefahr hieß es, die Tourenplanung sorgfältig im Gelände umzusetzen. Ein Kälteeinbruch mit starkem Nordwind und strahlender Sonne ließ uns am Gipfel nur kurz verweilen. Blicke zum Ortler, in die südliche Ötz- und Pitztaler Gletscherwelt, die Sesvenna-Gruppe im Norden sowie zu zahlreichen Unterengadiner Tourenzielen. Später dann ausgiebige Rast vor einer kleinen Almhütte in der Sonne mit Blick auf die Gipfel rund um Jufplaun, einem weitläufigen, abgeschiedenen Hochtal am Rand des Nationalparks.

Abends dann Gemüse-Risotto von Klaus (+ toller Salat von Ricky)

4. Tag: Piz Chazforà 2.783m (1.050 Hm)

Weiterhin stufte das Schweizer Lawinenbulletin die Gefahr auf „erheblich“ ein (Nassschnee sonnseitig und Altschnee schattseitig). Um den möglichen südseitigen Nassschneelawinen auszuweichen, fiel unsere Wahl auf einen nordseitigen Anstieg zum Piz Chazforà direkt vom Haus aus. Bis auf 2.200m folgten wir vorhandenen Spuren durch den tief verschneiten Bergwald. Dann aber leisteten wir bei strahlend blauem Himmel Pionierarbeit durch unübersichtliches großblockiges und von Rinnen durchzogenes Gelände – ein wahres Labyrinth stellte uns vor so manches Wegfindungsproblem. Teilweise ging uns der Schnee bis zum Oberschenkel, bis wir endlich bei ca. 2.500m die Aufstiegsspur zum Nachbargipfel trafen und zumindest ein gutes Stück weit Richtung Chazforà etwas müheloser gehen konnten. Mittlerweile war es doch recht spät geworden, so dass wir einen schönen Aussichtspunkt 100m unterhalb des Gipfels zum Tagesziel erklärten und schnell wieder ins Tal eilten.

Abends dann Pellkartoffeln aus Lizzys Garten mit köstlichem Kräuterquark und anderen Dips vom Wochenmarkt (+ toller Salat von Ricky)

5. Tag: Umzug

Bis 10 Uhr mussten wir raus sein aus der Unterkunft mit neu zusammengestellter Ausrüstung für die Hochtouren-Tage auf der Zufallhütte. Eine von uns musste leider schon heim, daher Abschieds-Kaffeetrinken in Mals, von wo aus Christa mit den Öffis Richtung Heimat fuhr.

Die restlichen 7 stiegen von Hintermartell zu Zufallhütte, checkten ein und zogen mit Gletscherausrüstung zum Üben los an einen ruhigen Platz (mit Aussicht). „Tote Männer“ wurden vergraben, wir machten Auszugsversuche, banden uns als Gletscherseilschaft ein und legten die ersten Meter in Kehren und Schleifen im Gelände zurück.

Die Hütte war recht voll, doch Hüttenwirt Uli mit seiner herzlichen, zugewandten Art und das gesamte Hüttenteam managten den Besucherandrang souverän.

6. Tag: Cima Marmotta Vorgipfel 3.260m (1.000 Hm)

Start um 7.30h zusammen mit zahllosen Skitourengehern. Wir erlebten hier das Gegenteil zur Einsamkeit auf Tour im Val Müstair. Aber der Tag war herrlich, die Sonne schien, der Himmel blau. Aufstieg lange Zeit im Schatten. Im teilweise eisigen steilen Gelände zeigten sich unsere Schneeschuhe durchaus von Vorteil. Am Gletscher angekommen waren wir nicht die einzigen, die sich anseilten, hatte doch der Winter nur für eine dünne Schneeauflage über den Spalten gesorgt. Unsere drei Neulinge im winterlichen Hochtourengehen – darunter auch Lumi, eingebunden ins Seil, schnupperten nun die erste Gletscherluft. Oben angekommen begrüßten auf dem winzigen Gipfelchen uns sowohl eine große fröhliche Sarntaler Skibergsteigergruppe, als auch eine grandiose Rundumsicht mit Königsspitze, Zebru und Ortler direkt vor unserer Nase. Unübersehbar auch hier der enorme Massenschwund der umliegenden Gletscher, und die sich immer weiter aufsteilenden Bruchzonen und damit Anstiege zB am Fürkeleferner.

Beim Abstieg machte uns auch hier die teilweise tiefgründig aufgeweichte Schneedecke zu schaffen.

7. Tag: Schulung

Das Wetter sollte nicht so toll werden und für den Folgetag hatten wir uns den Cevedale (1.600Hm) vorgenommen. Also „Ruhetag“ mit tagesfüllenden Übungseinheiten zu Spaltenbergung, Fixseil legen und Steigeisengehen. Wir gingen ein Stück ins Madritschtal hinein und fanden abseits vom Trubel bei sengender Sonne ein schönes Übungsgelände – und kamen gerade noch rechtzeitig zum Abendessen wieder auf der Zufallhütte an. Nach „Schlawiener Schnitzeln“ dann das große Packen …

8. Tag

Uns kam leider in der Nacht ein medizinischer Notfall in die Quere, so dass wir schließlich das liebevoll vom Hüttenwirt für uns hergerichtete Thermofrühstück nicht vor unserer großen Tour, sondern vor der ungeplant frühen Heimfahrt verspeist haben. Es ist letztlich alles gut gegangen und – wie der Wirt Uli sagte – „Der Mugl steht auch nächstes Jahr noch da!“